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Viel zu tun, doch die Leute fehlen 

Der Verlust der Fachkompetenz in Deutschland ist in den letzten Jahren so dramatisch geworden, dass er mittlerweile einen eigenen Namen erhalten hat: “Brain Drain”. Übersetzt bedeutet das “Abfluss von Gehirn” und ist ein Symbol dafür, dass Fachkräfte zunehmend in ein anderes Land oder eine fremde Region abwandern. Das betrifft sehr viele Berufssparten, besonders häufig jedoch die IT-Branche.  

Warum verlieren wir unsere Spitzenkandidaten und wie fing das alles an? Ein kleiner Ausflug in die Vergangenheit beschreibt das wirtschaftliche Auf und Ab. 

Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts, als Deutschland eine niedrige Produktivität verzeichnete, wanderten zahlreiche Talente in die USA ab. Erst Ende des Jahrhunderts haben Unternehmen, wie Siemens oder Bosch mit verschiedenen Innovationen dazu beigetragen, die Produktivität im Land anzukurbeln. Nach der positiven Entwicklung beendeten die folgenden zwei Weltkriege das Wachstum. Mit der nachfolgenden Währungs- und Wirtschaftsreform ging es wieder bergauf. Das “Wirtschaftswunder” (1949 - 1966) brachte erneuten Wohlstand in das Land. Trotz der Integration von Flüchtlingen, Vertriebenen und Kriegsheimkehrern spürte man die Folgen der Auswanderungen, die Lösung lautete: Gastarbeiter aus Europa. Zwischen 1955 und 1973 holte die Integrationspolitik 14 Millionen Arbeitsmigranten ins Land.  

Heute kämpft Deutschland damit, dass die Wachstumskräfte stagnieren. Ein Grund ist der Rückgang der Bevölkerung. Aktuell fehlen ca. 1 Million Arbeitskräfte. Etwa zwei Drittel der Unternehmen haben Besetzungsprobleme. Auch die Produktivität geht zurück, die USA und China sind uns diesbezüglich deutlich überlegen. 

Weitere Ursachen für Brain Drain sind schlechte Arbeitsbedingungen im eigenen Land, kulturelle Hürden oder politische Unzufriedenheit. Auch der Wunsch nach Selbstverwirklichung und die Erfüllung persönlicher Träume stehen zunehmend im Vordergrund der Arbeitnehmer. Einer Umfrage von Xing im Jahr 2017 zufolge konnten sich vor 7 Jahren 20 Prozent der Deutschen eine Auszeit vorstellen. Die heutige Arbeitswelt bietet zunehmend “Urlaubskultur” – Workation, Sabbatical, 30 Tage Urlaub und Bildungsurlaub.  

Weitere externe Faktoren kommen hinzu. Andere Länder und Regionen schalten starke und erfolgreiche Rekrutierungskampagnen und locken mit höheren Gehältern oder besseren Karrierechancen. Auch gibt es Netzwerke multinationaler Firmen, wo die Führungspositionen möglicherweise in ein anderes Land versetzt werden.  

Die Folge für Deutschland: ein Verlust der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Durch die suboptimalen Bedingungen vor Ort wandern immer mehr Top-Kandidaten ab und es kommt zu Versorgungsengpässen, die schnell spürbar sind. Ein Beispiel: der aktuell dramatische Mangel an Medizinern und IT-Experten. 

Mögliche Lösungsansätze, um diese Entwicklung zu verhindern, wären z.B. die Abwanderung zu erschweren und im Gegenzug kostspielige Weiterbildungen, die bislang im Ausland schmackhaft gemacht werden, im eigenen Land zu finanzieren. Im Gegenzug müssten sich die Fachkräfte verpflichten, für eine bestimmte Zeit weiter im Land zu arbeiten.  

Gleichzeitig müssen wir die Digitalisierung des Arbeitsmarktes vorantreiben, um Arbeitnehmer und Arbeitgeber stärker zu vernetzen. Parallel sollte der allgemeine Arbeitsmarkt gerechter und attraktiver gestaltet werden. Auch Personalentscheidungen sollten künftig einen stärkeren Fokus darauf legen, vorurteilsfrei und genderneutral zu erfolgen. 

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